Bocklinien

Im Folgenden sind 18 Bocklinien aufgeführt, deren Nachkommen in den Beständen der Züchter der AG-Erhaltungszucht entweder noch aktiv sind, oder es waren bzw. eine Rolle in der Entstehungsgeschichte der AG-Bestände gespielt haben. Leider konnten nicht alle Bocklinien erhalten bleiben, teils weil sie vor der Gründung der AG aktiv waren oder widrige Umstände zu Abgängen geführt haben. En passant werden einige Anekdoten sowie Zuchtgeschichte vermittelt. Die geographische Herkunft findet ebenfalls Beachtung, auch wenn sie heute nicht mehr die Relevanz aufweist wie noch vor 35 Jahren. Die Texte sind zwar relativ dröge, zeigen aber deutlich welch enorme Herkunftsvielfalt existiert. Eventuell bekommt man auch eine Ahnung davon, wie komplex das Thema genetische Herkunft ist und wie groß der Aufwand für die Recherche ist. Es gibt keine bedrohte deutsche Schafrasse bei der das Verhältnis zwischen Bocklinien und Gesamtpopulation so günstig ist wie bei den Ouessants der AG-Erhaltungszucht. Sofern der Fokus auf dem Erhalt der genetischen Vielfallt bleibt, kann trotz des geringen Gesamtbestandes der Erhalt der bretonischen Ouessants in Deutschland gelingen.

Armin Bergmann im März 2025

„Aurélien de Rennes“
Benannt nach FR 285 314 30026 Aurélien de Rennes (*2013). Züchter dieses Bockes ist das Écomusée de Rennes Département Ille-et-Vilaine (35). Der Bestand des Museums war beim Import des Bockes eine Melange verschiedener bretonischer Zuchten (Abbé, Carré, Leduc etc.) Die frühesten Nachkommen dieser Linie sind 2015 geboren. Aurélien de Rennes sowie männliche Nachkommen wurden auch in nicht rein bretonischen Beständen genutzt. Wodurch es sogar Abkömmlinge im EU-Ausland gibt.

„Bran de Malansac“
Benannt nach FR 407 651 11050 Bran de Malansac (*2011) Züchter dieses Bockes ist Hervé Vaillant. Die Zucht Vaillant ist eine der ältesten der GEMO, Hervés Vater war Gründungsmitglied. Die Herde war im Départment Morbihan (56) beheimatet bevor Hervé nach Rennes zog. Die Linie kam 2019 durch den Bock FR 285 314 80255 Bruneau de Rennes nach Deutschland.

„Champion de Abbé“
Ursprung dieser Linie ist der Bock FR 79 158 042 0028 Champion de Abbé (*199?). Das exakte Geburtsjahr des Bockes ließ sich nicht ermitteln, da die ursprüngliche Kennzeichnung des Bockes unbekannt ist. Mit der alten Marke wären uns das Geburtsdatum, sowie die mütterliche Abstammung bekannt. Züchter war der erste Präsident der GEMO Paul Abbé. 2005 wurden drei Töchter und drei Söhne des Bockes durch den Züchter Christian Coutant Départment Deux-Sèvres (79) nach Deutschland exportiert. Der bretonische Zweig dieser Linie ist dünn. Ansonsten ist die Linie sehr weit verbreitet, es gibt Zweige in mehreren europäischen Ländern.

„Émile“
FR 22 187 156 80011 (*2008) Émile war einer der drei durch die IGOU importierten Böcke und kam 2010 nach Deutschland. Er stammt aus der Zucht von Claude Billès Départment Côte d’Armor (22). Die Zucht Billès hatte damals mehrheitlich Wurzeln in der Zucht Abbé, daneben gab es auch Ursprünge bei lokalen Züchter und Carré. Émile war der unscheinbarste Bock aus dem Import, seine direkten Nachkommen waren aber oftmals schöner als er selbst. Nachkommen der Linie gibt es auch bei Züchtern außerhalb der AG, die es teils bis nach Südtirol und Tschechien geschafft haben.

Gilles von Tannenhof“
Die Linie hatte nur ein kurzes Intermezzo in Deutschland. Der Bock NL63 Gilles von Tannenhof
(*1996) stammte aus der Zucht von Gilles Delorme Départment Deux-Sèvers (79) und wurde einige Jahre in der Zucht von Alfred Janssen eingesetzt, ging dann in die Niederlande wo er kurz darauf verendete. Die in Deutschland geborenen rein bretonischen männlichen Nachkommen blieben alle ohne Nachfolger bzw. verendeten bevor Züchter der AG ihrer habhaft werden konnten.

„Guéral“
Die Linie geht auf den Bock FR 22 187 156 4510 Guéral zurück. Zwei Nachkommen des Bockes wurden 2017 durch Züchter der AG-Erhaltungszucht von Claude Billès erworben und importiert. Zum Zeitpunkt des Imports hatte Claude Billès einen Bock aus der Zucht von Luc Beauge de La Roque Départment Finistère (29) im Einsatz, welcher allerdings noch nicht im Pedigree der Böcke vorkommt. Es gibt einen nicht rein bretonischen Zweig der Linie in Südtirol.

„Ildut d’Abbé“
FR 515 725 00078 Ildut d’Abbé (*2004) entstammt einer der letzten Generationen aus der Zucht von Paul Abbé Département Loire Atlantique (44). 2019 importierten Züchter der AG-Erhaltungszucht einen 2018 geboren Sohn (Ivi de la Landes de Huaud) dieses Bockes von Abbés Tochter Monique Brillet-Abbé. Unter Ivis Vorfahren findet sich auch ein Tier aus der Zucht von Michel Pottier Département Finistère (29).

„Hervé de Malansac“
Benannt nach dem Bock FR 407 651 00009 Hervé de Malansac (*2010). Dieser Bock stammt aus der Zucht von Hervé Vaillant und wurde 2012 und 2013 mit dem 1er prix bélier noir ausgezeichnet. Ein Import dieses Bockes im Jahr 2014 scheiterte an seiner mangelnden Scrapiresitenz (ARR/ARQ). Glücklicherweise konnten Züchter der AG-Erhaltungszucht 2023 drei Enkel dieses Bockes bei Michel Pottier Départment Finistère (29) ankaufen und importieren. Hegarat, Hengoun und Hailhon de Coaternen, ersterer ist leider verunglückt ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen, letzter ist einer der wenigen weißen Ouessants rein bretonischer Abstammung in Deutschland.

„Kador souche de Kerguéhennec“
Die wohl konstanteste aber auch erstaunlichste Geschichte hat die Linie Kador souche de
Kerguéhennec (FR 408 012 50001). Ende der 1960er Jahre verrichtete ein Handwerker Reparaturarbeiten am Dach des Schlosses Kerguéhennec Départment Morbihan (56). Die Besitzerin war nicht Willens, oder in der Lage den Handwerker finanziell zu entlohnen und bot ihm nach verrichteter Arbeit an die Rechnung in Naturalien zu begleichen. Nach einigen Diskussionen einigten sich die Parteien auf gut 20 Kopf der zum Schloss gehörigen Schafherde. Kurze Zeit darauf wurde der Rest der Schlossherde Kerguéhennec an den Parc naturel régional d’Armorique verkauft und das Kapitel Ouessants auf Kerguéhennec endete.
Der Handwerker hielt und erhielt diese Gruppe Ouessants als geschlossene Herde mittels Multinatursprungs über Dekaden. Peu a peu wurden die weißen Tiere entnommen und gegessen, sodass bereits nach kurzer Zeit eine rein schwarze Herde entstand. Nach seinem Tod übernahm seine Tochter Marie-Yvonne Le Halley den Bestand und führte ihn zunächst unverändert fort. 2023 Konnten AG-Züchter einen Sohn und einen Enkel von dem 2003 oder davor geborenen Kador erwerben. Kelvezenn de Lanouée ist der einzige dilute-graue Bock des Bestandes in der nun weit mehr als 50 Jahre währenden Geschichte der Herde. Keginañ de Lanouée hat bereits eine Großmutter, die nicht mehr aus der Ursprungsherde sondern aus der Zucht Claude Billès stammt.

“Kilimanjaro“
Diese Linie ist nach dem Bock FR 79 354 902 0020 Kilimanjaro (*1998) benannt. Der Bock wurde bei Gilles Delorme Départment Deux-Sèvers (79) geboren und 2000 durch Horst Roller nach Deutschland importiert. Beide Zuchten bestehen heute nicht mehr, Kilimanjaros Vater stammt aus der Zucht von Patrick Carré. Der rein bretonische Zweig der Linie ist schon lange ausgestorben.

„Laval“
FR 22 187 156 80007 (*2007) Laval war einer der drei durch die IGOU importierten Böcke und kam 2010 nach Deutschland. Laval war der imposanteste Bock aus dem Import und stammt auch aus der Zucht Claude Billès. Seine direkte Nachkommenschaft war sehr heterogen. Je nach Züchter zeugte er sehr gute, mäßige aber auch sehr schlechte Nachkommen. Die Linie ist extrem schwach vertreten. Es gibt nicht rein bretonische Zweige in Südtirol und der Tschechischen Republik.

„Nevezer de Casson“
Die Linie ist nach dem Bock FR 330 137 60133 Nevezer de Casson (*2009) benannt. Die Linie ist 2019 durch die beiden Brüder Neizhan und Nando de Rennes nach Deutschland gekommen und lässt sich über die Zucht von Paul Leduc Département Loire Atlantique (44) bis zur Herde von Claude Billès verfolgen. Während Nando durch die AG-Erhaltungszucht noch als rein bretonisch verifiziert werden konnte war dies bei Neizhan nicht mehr möglich. Durch diesen Import rückte die immer stärker werdende Vermischung der französischen Bestände sehr deutlich in das Bewusstsein der AG-Züchter.

„Paul“
Der Bock FR 44 194 010 0014 Paul (*1999) hat 2003 in Frankreich den Titel Champion des Champions gewonnen und wurde im selben Jahr durch Horst Roller nach Deutschland importiert. Er wurde nach seinem Züchter Paul Abbé benannt. Die Herde Abbé ging zum Teil auf die Tiere der kleinsten Ursprungsherde Jardin des Plantes Paris zurück. Der rein bretonische Zweig dieser Linie ist schon lange ausgestorben.

„Relecq de Carré“
Diese Linie kam über Umwege nach Deutschland. 2004 Kaufte Aalt ten Hoeve drei Lammböcke bei Patrick Carré Département Finistère (29) und brachte sie in die Niederlande. Carrè war nach Paul Abbé der zweite Präsident der GEMO. Er hat ein weiße und eine schwarze Herde, die er strikt getrennt hält. In den Herden setzt er jeweils nur einen Bock ein, welcher im Deckeinsatz bleibt, bis er stirbt. In der Regel ersetzt Carré diese Verluste durch eigne Nachzucht. Obwohl Carré diese extreme Form der Linienzucht praktiziert ist sein Bestand sehr heterogen.
Trotz der Trennung der Herden tragen weiße Tiere der Zucht nicht selten schwarz. Desweiteren gibt es Vermutungen, dass die schwarze Herde dilute grau trägt, was Carré allerdings strikt verneint. Einer der drei Böcke nämlich FR 29 191 175 0218 Releqc de Carré kam 2008 auf wundersame Weise über die Grenze nach Deutschland. Rein bretonische Nachkommen dieses Bockes gelangten in den Besitz früher AG-Züchter. Die Linie ist immer noch aktiv.

„Serge“
FR 22 187 156 70002 Serge war der dritte durch die IGOU importierte Bock. Obwohl alle drei aus der Zucht Claude Billès stammten hatten sie weder in der Eltern-, noch Großelterngeneration gemeinsame Vorfahren. Serge hatte eine schlechte Altersgesundheit und ist früh verstorben.

„Tudwal d’Abbé“
Die Linie ist nach dem 2005 bei Paul Abbé geborenen Bock FR-MAS 01 Tudwal d’Abbé benannt. Monique Brillet-Abbé hat den Bock einige Jahre nach der Auflösung der Abbéschen Herde zurückgekauft. Er ist Vorfahr vieler Tiere der heutigen Herde von Monique Brillet-Abbé. 2019 haben Züchter der AG-Erhaltungszucht zwei Enkel des Bockes nach Deutschland importiert. Paul Abbé hat seine Herde fast ausnahmslos im Multinatursprung gehalten. In einem bis heute erhaltenem Heftchen hat er die Lammungen mit Datum, der Mutter und den möglichen Vätern fest gehalten. Mir ist nur ein Jahr bekannt in dem er lediglich einen Bock eingesetzt hat, in allen anderen Jahren waren es immer drei bis fünf.

„Unpenn de Rennes“
Der Bock FR 285 314 30045 Unpenn de Rennes wurde 2013 im Écomusée de Rennes geboren. Seit Hervé Vaillant für das Museum arbeitet gibt es ein detailiertes Stallbuch. Leider kann man in diesem Fall keine genauen Angaben erhalten, da sich ein paar Lammböcke selbstständig gemacht hatten und mehrere Väter in Frage kommen. Ein Sohn des Bockes wurde 2019 durch AG-Züchter nach Deutschland importiert.

„Zad de Coaternen“
2023 wurden insgesamt drei Linien importiert unter anderen die Linie Zad de Coaternen. Ursprung ist der 2012 geborene Bock FR 255 862 30016 aus der Zucht Michel Pottier Département Finistère (29). Die Zucht Pottier sticht durch langlebige Tiere und besonders imposante Böcke hervor. Es wurde ein Enkel (Zacharie de Coaternen) nach Deutschland eingeführt. Pottier übernahm bei Zuchtbeginn Tiere eines lokalen Züchters der wiederum seinen Ursprungsbestand bei Paul Abbé erwarb und die Herde ca. zwei Dekaden geschlossen führte. Pottiers Herde hat darüber hinaus auch Ursprünge in der Zucht Vaillant. Bei unserem Besuch lebten noch zwei Muttertiere aus der Zucht Vaillant die zusammen etwa 30 Lenze zählten.

Andere aus Frankreich stammende Bocklinien waren entweder nachweislich nie rein bretonischen Ursprungs (z.B. 17 „Arwin“ oder 31 „Danny“), konnten nicht zweifelsfrei verifiziert werden (z.B. 35 „Jack“) oder haben keinerlei Einfluss auf die rein bretonischen Bestände in Deutschland gehabt (z.B. „Okapi“ und „Vaillant“) und nur Nachkommen mit Tieren aus nicht rein bretonischen Beständen gezeugt. Gerne hätten wir noch weitere Tiere aus anderen historischen Beständen angekauft und importiert, leider ist das aus vielerlei Gründen nicht zustande gekommen.

Arbeitsgemeinschaft
Erhaltungszucht
bretonisches
Ouessantschaf

Kontakt

Jürgen Schneider
26931 Elsfleth
0162 6889752 (zwischen 18-19:30 Uhr)

Cornelia Meyer
21368 Dahlem Harmstorf
05851 7434
taraxacum50@gmail.com

Arne Huch
21039 Hamburg
schafzuchtelbe@icloud.com